Palma de Mallorca – urbane Träumerei

Besucht man die zauberhafte Baleareninsel, landet man in aller Regel in Palma de Mallorca, der Inselhauptstadt. Der Großteil der Touristen stürzt sich rasch in den Hotelbus oder in einen Mietwagen und umrundet Palma großräumig, um sich im eintönigen El Arenal oder anderen beinahe identisch aussehenden Küstenorten während des gesamten Urlaubs nur von der Strandliege zu erheben, wenn drinnen der Gong zur Mahlzeit ruft.

Ein großer, in vielen Fällen nicht wieder gutzumachender Fehler, der den meisten natürlich verborgen bleibt, wenn sie nach zwei oder drei Wochen wieder den Flieger besteigen und mit dem Namen Palma de Mallorca nur die schwache Erinnerung an einen sehr belebten Airport und ein umkämpftes Kofferlaufband mit nach Hause nehmen.


Die schöne Hauptstadt – stolz wie die Mallorquiner selbst – glänzt mit Art-Déco-Bauten, an denen der berühmte Architekt Gaudí, der schon Barcelonas Glanz verantwortete, nicht ganz unschuldig ist.

Das beherrschende Wahrzeichen aber war schon zu Meerfahrerzeiten die die Bucht von Palma beherrschende Kathedrale La Seu aus dem 13. Jahrhundert. Der Prachtboulevard Passeig Maritim entlang des Hafens und des erstaunlichen Castel Belver endet am Hochseekai und der Zitadelle Sant Carles.

Die Altstadt wird geprägt von herrschaftlichen barocken Palästen, die sich zum größten Teil noch in der Hand der „großen Familien Mallorcas“ befinden und eine geheimnisvolle Verschlossenheit ausstrahlen, die auf ihren arabischen Ursprung zurückgeht.


Als bis zum 13. Jahrhundert islamische Stadt kennt Palma keinen regelmäßigen Grundriss oder öffentliche Plätze – der Flaneur verliert sich in kleinen Unterzentren und lässt sich treiben, vielleicht durch das Markthallenviertel bis zur Almudaina, der Oberstadt, die nach der Eroberung durch den Emir von Cordoba im Jahre 902 das eigentliche Zentrum bildete.

Natürlich hat auch die Moderne, vor allem die Franco-Diktatur mit ihrer typischen Regime-Architektur, Spuren in einigen Vierteln hinterlassen – der Besucher aber schwelgt in der farbenfrohen Vielfalt der Epochen, der Paläste, Kirchen, Museen, Theater (das Teatre Principal ist schön wie ein Pralinékarton) und Innenhöfe, genießt im Café Bosch einen Kaffee, in der Chocolateria Can Joan de S’Aigo eine vortrefflich heiße Schokolade oder die kandierten Früchte von La Pajarita oder stürzt sich am Abend in ein feuriges Nachtleben, das in der Altstadt oder rund um das Hafenbecken neben vielem Touristennepp immer noch originelle Künstlerlokale und Szenekneipen bietet.

Wer Cocktails liebt, geht ins Abaco oder ins Atlantico, Latino-Fans werden das Hemingway-Remake Bodeguita de Medio lieben oder die Longdrinks im Garito Café, Partygänger die Disco der Open-Air-Bar Pacha oder den angeblichen Promitreff Bar de La Marina,

Der wilde Westen

Das Kontrastprogramm zu Palmas herrschaftlicher Urbanität bietet Mallorcas wilder Westen. Von Port d’Andratx – dem mondänen Yachthafen der Reichen und Schönen – aus startet man ins Gebirge und findet grandiose Meeresspektakel, schroffe Felswände, die steil vom Ufer aufsteigen, haushohe Brandungen, schmale Fährten, die sich zwischen Berggraten hochschlängeln – Schwindelfrei sollte man schon sei auf den Panoramastraßen, die nach Dejà, Sollèr oder Fornalutx führen, allesamt wunderschöne Berg- und Bilderbuchdörfer mit dem Zauber von Ewigkeit, auch wenn sie durch die Segnungen der modernen Zivilisation teils museale Züge angenommen haben.



Castell d’Alarò, Kloster Santuari de Luc, Kartause Valdemossa, in der George Sand und Frédéric Chopin einen nebeligen Winter verbrachten – eine Wunderwelt. Wandern auf der rauen Serra kann zum Abenteuertripp werden, wenn sich Abgründe öffnen und Wanderwege im Gestrüpp enden. Ein Erlebnis sind sie allemal. Pollenca, die uralte Römersiedlung mit dem Puc de Calvari gilt immer noch als ruhigste, vielleicht authentischste der größeren Städte Mallorcas – beschauliche Winkel, die eine alte Zeit atmen.


Landferien auf einer Finca

Überall dort, wo Mallorca noch ursprünglich ist – und das ist noch ein guter Teil der Insel – kann man ihn verwirklichen, den Traum vom herrschaftlichen, mediterranen Landleben in einem stimmungsvollen historischen Herrenhaus, Finca genannt, oder einem liebevoll restaurierten Bauernhof. Uralte Olivenbäume, Rebstöcke und über allem der Duft von Zitronenbäumen. Sonnenstrahlen auf Backsteinmauern, alte Platanen im Innenhof, Sonnenrollos vor kleinen Fenstern, innen kühle hohe Räume mit dunklen Balken und mallorquinischen Möbeln, Kacheln, großflächigem Wandschmuck, schweren Teppichen und wallenden Vorhängen.


Zwei Drittel der über 1200 historischen Fincas sind noch in Familienbesitz – in diesen authentischen Refugien macht man keinen Urlaub, man ist zu Gast beim Senor und bei der Senhora. Spaziert man über das zugehörige Land, begegnen einem schwarze Schweine, zartgliedrige Eselchen und schweigsame Landbewohner, alle gleichermaßen stolz, listig und von ihrer Insel beseelt.

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