Der US-amerikanische Künstler Stephen Wilkes ist einer der bekanntesten Fotografen unserer Zeit. Seine Werke sind in den großen Museen des Landes wie zum Beispiel dem George Eastman Museum, dem Jouston Museum of Fine Arts oder dem Jewish Museum in New York ausgestellt, um nur einige Lokationen zu nennen. Viele seiner Fotos sind auf den Titelblättern von so bekannten Magazinen wie Vanity Fair, National Geographic oder dem New York Times Magazine erschienen. Verfolgt man die Entwicklung seiner Bilder, fällt eine gewisse Tendenz zu Variationen des Highway One in Kalifornien oder des Festlandchinas auf.

Unter seinen Werken nehmen zwei Projekte eine besondere Stellung ein. 1998 startete er eine fünf Jahre dauernde fotografische Analyse einer Krankenstation, die zwar bereits seit langem verlassen war, auf der allerdings Einwanderer festgesetzt wurden, bevor man ihnen die Erlaubnis erteilte, in die USA einzureisen. Mit seinen Fotografien konnte er einen großen finanziellen Beitrag dazu leisten, die Station wiederherzustellen. Die Monografie mit dem Namen „Ellis Island“ erhielt im Jahr 2006 die Auszeichnung als eines der fünf besten Bücher des Jahres.

Stephen Wilkes. Day to Night (EXTRA LARGE) - Partnerlink

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Einige Zeit später erhielt er für das Jahr 2000 den Auftrag, ein Porträt der Vereinigten Staaten zu erarbeiten, das eine 1.000-jährige Geschichte der jungen Nation darstellt. Die Show „America in Detail“ wurde unter anderem in New York, in Chicago und in Los Angeles ausgestellt.

Im Zentrum seines Werks Day to Night steht eine andere fotografische Richtung, hier möchte man die Nacht zum Tag bzw. den Tag zur Nacht machen, wie schon der Titel verrät. Ein ganzer Tag wird jeweils in einem einzigen Bild visualisiert. Die Arbeiten daran begannen schon im Jahr 2009, und die fast episch wirkenden Bilder von Städten und Landschaften zeichnen sich durch die besonders lange Aufnahme über 30 Stunden aus einem unveränderten Kamerawinkel aus. Auf seinen Bildern hält der Künstler mehr oder wenige unbeständige und flüchtige Augenblicke im menschlichen Leben fest, während die Szenerie von dem sich ändernden Taglicht beleuchtet wird. Jedes einzelne Foto wird aufwändig gemischt und wird so zu einem unverwechselbaren Unikat.

 

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der US-amerikanischen Nationalparks wurde das Werk ausgeweitet und Anfang 2018 zum ersten Mal im National Geographic Museum gezeigt. Wilkes nimmt in Day to Night unter anderem so beeindruckende Orte wie die Blaue Lagune in Island oder die Schottischen Highlands vor die Linse und zeigt diese Landschaften im Wechsel des Lichts von Tag zu Nacht. Jedes einzelne Foto ist ein Meisterstück, welches die Phantasie des Betrachters anregt. Die Nacht drückt geradezu beängstigend auf den Tag, der so eine unglaublich präzise Vignettierung erhält. Die Farben des Tages wirken durch diesen Eingriff gesättigter.