Die Situation der deutschen Anwälte in Berlin, sowie in Deutschland allgemein, hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es gab Zeiten, in denen ein Anwalt nebenbei als Taxifahrer arbeiten musste, um einen anständigen Lebensunterhalt zu verdienen. Als das neue Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) in Kraft trat und die Gebühren um 8 Prozent erhöht wurden, besserte sich die Situation etwas. Dennoch ist der allgemeine Umsatz in den letzten Jahren kontinuierlich zurück gegangen.

Dazu kommt, dass der deutsche Staat, im Gegensatz zu anderen Staaten, Rechtsbeihilfe nur gering bezuschusst. Die Prozesskostenhilfe ist beispielsweise in den USA doppelt so hoch wie bei uns. Fatal ist, dass es neuerdings eine regelrechte Anwaltsschwemme gibt. Die Folge sind wahre Dumpingangebote beim Kampf um die Mandate. Dieses Überangebot an Anwälten hat jedoch nichts damit zu tun, dass ein Mehrbedarf entstanden ist, sondern dass die Anwaltschaft offenbar der einzige Arbeitsmarkt für Juristen darstellt.


Wirtschaft, Verwaltung, Justiz, Verbände und Kammern waren in Bezug auf Neueinstellungen in den letzten Jahren zurückhaltend, sodass viele junge Anwälte nach dem Staatsexamen versuchen in Kanzleien unterzukommen oder sich selbstständig zu machen. Doch beides ist in vieler Hinsicht schwierig geworden, was zur Folge hat, dass die Arbeitslosenqoute der Junganwälte gestiegen ist. Künftig kommt es noch arger, auch für gestandene Anwälte, denn ein neues Gesetz ist in Kraft getreten, dass auch Nichtjuristen erlaubt Rechtsberatung zu leisten, wie zum Beispiel Architekten, Banken, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Das bedeutet, dass in Zukunft nur Anwälte bestehen werden, die den Qualitätsanforderungen entsprechen. Diesen Anforderungen kommen in der Regel die Fachanwälte nach, die diesen Titel erst erwerben, wenn sie eine umfangreiche Prüfung abgelegt haben und bearbeitete Fälle in dem Fachgebiet nachweisen können.

Fachanwälte gibt es inzwischen in 19 Rechtsgebieten. Ihre Zahl hat sich in den letzten sechs Jahren versiebenfacht. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland haben in Berlin und im restlichen Deutschland die Wirtschaftskanzleien zusätzlichen Umsatz mit Unternehmenstransaktionen gewinnen können. Ein Mangel besteht zurzeit an Anwälten, die auf komplette Restrukturierungen und komplizierte Finanzierungen spezialisiert sind.

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veröffentlicht von schreibstift

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