DIE SUCHE NACH DEM NICHTS

Der heute vergessene DDR-Teilchenphysiker Hubertus M. Frassek glaubte an die Existenz unvorstellbar kleiner Schwarzer Löcher. Er träumte davon, in einem mobilen Labor durch Süddeutschland zu fahren, um seine Theorien zu belegen. Warum Süddeutschland? Niemand weiß es mehr. Jahrzehnte später erweckt Jan Köchermann diesen Traum wieder zum Leben. Auf Einladung des Kunstvereins Göppingen unternahm er mit Frasseks Raumsammler die bislang unerfüllt gebliebene, kuriose Expedition. Als Dokumentation und Künstlerbuch wird die gleichnamige Publikation selbst Teil des »rollenden Traums entlang der Grenzen der Wissenschaft«.

Frasseks Raumsammler - Partnerlink

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Im Zuge seiner Studien beginnt Hubertus M. Frassek, der auch Mitglied der Physikalischen Gesellschaft der DDR ist, mehr und mehr am bestehenden Atommodell zu zweifeln. Er stellt die These auf, dass in jedem Atom ein eigenes Universum stecke und Unendlichkeit auch im mikroskopisch Kleinen gegeben sei.

Um seine Theorie zu beweisen, konzentriert sich der Forscher auf die These, dass es möglich sein müsse, die in den unendlich vielen Mikro-Universen existenten Schwarzen Löcher sichtbar zu machen. In einem privaten Labor entwickelt er über 14 Jahre lang Apparaturen, in denen er mithilfe der Spektroskopie kleinste Schwarze Löcher nachzuweisen versucht. Dabei verweist er auf das Phänomen der Aura, die jedes Schwarze Loch seinen Vermutungen nach umgibt.

1965 publiziert Frassek seine vorläufigen Forschungsergebnisse in der Wissenschaftszeitschrift »Fortschritte der Physik«. Von seinen Fachkollegen der Physikalischen Gesellschaft wird sein Ansatz als philosophisch-esoterisches Hirngespinst abgetan und belächelt. Aber Frassek forscht unbeirrt weiter. Er stellt Überlegungen zu einem mobilen Labor an, mittels dessen er seine These zu beweisen hofft. Auf einem Transportfahrzeug wie beispielsweise dem gängigen Multicar M22 will er, so sein Plan, spezielle Apparaturen und Vorrichtungen installieren, um die mikroskopischen Schwarzen Löcher im Außenraum visuell aufzuzeichnen und zu speichern.

Der Künstler Jan Köchermann (*1967) erfährt über einen Bekannten, der wiederum Neffe des Physikers Hubertus M. Frassek ist, von der besonderen Lebensgeschichte des Forschers. Basierend auf den Studien und Aufzeichnungen von Frassek entwirft er daraufhin »Frasseks Raumsammler«. Dieser ist nicht nur eine Hommage an einen spleenigen Forscher, sondern auch eine gelungene Berührung von Physik und Kunst.

Zwei Trichter, ein großer runder, der über die Fahrerkabine ragt, und ein quadratischer tunnelartiger, fungieren, mit Filtern bestückt, als Aufnahme- oder Fangstationen für die mikrokosmischen Besonderheiten. Oszilloskop, Druckmessgerät, Massenspektrometer und ein Monitor dienen zur fachgerechten Forschung.

Köchermann ersteigert bei eBay den Allrounder aus der DDR, den sogenannten Multicar M22, und funktioniert ihn im künstlerischen sowie auch Frassek’schen Sinne zum mobilen Labor um. Im Oktober 2019 folgt der Künstler mit »Frasseks Raumsammler« einer Einladung des Kunstvereins Göppingen für ein Projekt im öffentlichen Raum. In diesem Rahmen entstand auch das nun vorliegende, gleichnamige Künstlerbuch.

  • Kompaktinfo
  • Frasseks Raumsammler

  • Autor: Kunstverein Göppingen e.V. (Herausgeber), DESY Deutsches Elektronen-Synchrotron (Herausgeber), Galerie Mathias Günter (Herausgeber), Veronika Adam (Mitwirkende), Kai Bleifuß (Mitwirkende), Dagrun Hintze (Mitwirkende), Leonhard Euler (Mitwirkende), Jan Köchermann (Mitwirkende), Christian Schwanenberger (Mitwirkende)
  • Ausgabe: 1. Edition (1. August 2020)
  • Verlag: Kerber Verlag
  • ISBN-13: 978-3735607218
  • Fazit

    Der heute vergessene DDR-Teilchenphysiker Hubertus M. Frassek glaubte an die Existenz unvorstellbar kleiner Schwarzer Löcher. Er träumte davon, in einem mobilen Labor durch Süddeutschland zu fahren, um seine Theorien zu belegen. Warum Süddeutschland? Niemand weiß es mehr. Jahrzehnte später erweckt Jan Köchermann diesen Traum wieder zum Leben. Auf Einladung des Kunstvereins Göppingen unternahm er mit Frasseks Raumsammler die bislang unerfüllt gebliebene, kuriose Expedition. Als Dokumentation und Künstlerbuch wird die gleichnamige Publikation selbst Teil des »rollenden Traums entlang der Grenzen der Wissenschaft«.
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