Sie gelten bis heute als der Prototyp einer Punkband, obwohl dieser Begriff eigentlich erst viel später aus der britischen Subkultur heraus entstand: Die Ramones haben in der Mitte der 1970er Jahre praktisch nebenbei eine Musikrichtung erfunden, die bis heute ihre Anhänger hat. Ursprünglich entstanden war diese Art der Musik, weil man ein Gegengewicht zu der damals beliebten Rockmusik im Stil von Led Zeppelin oder Pink Floyd schaffen wollte.

Ihre Musik war weniger an den bekannten Vorbildern wie den Beach Boys, MC5, The Who oder dem US-amerikanischen Rock aus den 1950er Jahren orientiert. Sie stand eher für einfache Strukturen und kam vollkommen ohne Soli aus. Auch Übergänge oder Intros suchte man vergeblich. Damit wollten sie das komplette Gegenteil schaffen zu anderen Stilen wie dem Artrock oder dem Progressive Rock. Auffallend war allerdings die hohe Geschwindigkeit gepaart mit der Lautstärke, und auch die Texte hatten etwas ganz Besonderes an sich. Sie waren einfach gehalten und erinnerten ein wenig an Kinderreime, wobei in ihren Liedern immer die aktuellen sozialen Fragen ihrer Zeit behandelt wurden.

One, Two, Three, Four, Ramones!: Die Kultband als Graphic Novel! - Partnerlink

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Gegründet wurde die Band im Januar 1974 im Rahmen einer Probe in den New Yorker Performance Studios. Erst einige Zeit später gaben sich die Mitglieder den Namen „Ramones“. Die ersten Konzerte wurden zu einer Zeit gegeben, als auch Blondie oder die New York Dolls auftraten, und bis heute bringt man mit ihnen den Begriff „legendär“ in Verbindung, wie Zeitzeugen berichten. Das lag auch daran, dass die Konzerte ganz anders gestaltet waren als alles, was man bisher kannte: Sie dauerten nur rund 30 Minuten und waren dafür viel lauter und schneller gespielt als der übliche Mainstream. Im Jahr 1979 zeichnete die Gruppe verantwortlich für die Filmmusik zu Rock´n Roll Highschool. Ungeachtet dessen blieb der Gruppe der große Durchbruch in den Vereinigten Staaten verwehrt, während Auftritte in kleinen Clubs häufig waren. Da sich auch die Schallplattenverkäufe trotz einer Zusammenarbeit mit dem Starproduzenten Phil Spector nicht steigern ließen, konzentrierte man sich zukünftig darauf, auf Tournee zu gehen und die Fans mit Lifeauftritten zu erfreuen. Das reichte für die Bandmitglieder aus, um das Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einige Bandmitglieder verließen die Gruppe im Lauf der Zeit, was auch durch Differenzen der Mitglieder untereinander begründet wurde. Einer der letzten Auftritte im Jahr 1996 in Buenos Aires fand mit der Band Die Toten Hosen und mit Rammstein im Vorprogramm statt.

Bis heute nennen viele Bands die Ramones als einen der wichtigsten Einflüsse auf ihre Musik. Dazu gehören Motörhead, und viele weitere Gruppen haben immer wieder einzelne Coverversionen der Punklieder auf den Markt gebracht. Mit einigen Tribut-Samplern zollte man der Gruppe ebenfalls den nötigen Respekt, darauf sind zum Beispiel Metallica, Kiss oder U2 zu hören. In vielen Musikmagazinen wurden die Musiker ebenfalls wiederholt gewürdigt, und in der Zeitschrift „Rolling Stone“ wurden zwei ihrer Alben als die besten Werke aller Zeiten ausgezeichnet. Im Jahr 2014 ist das letzte Bandmitglied verstorben.

Wer zurückreisen will an die Anfänge, wer die Stimmung dieser Tage spüren möchte, kann mit der Graphic Novel "One, Two, Three, Four, Ramones!" einen tiefgehenden Ausflug in die Lebenszeit der vier Musiker unternehmen. Starke Zeichnungen die den Betrachter mitten ins Geschehen ziehen.


Titelbild: Xavier Bétaucourt, Bruno Cadène, Éric Cartier/Knesebeck Verlag