Nordkoreas Architektur der Großstädte wirkt auf den Betrachter im ersten Augenblick futuristisch, monumental und doch recht funktional. Sie scheint im Widerspruch zu stehen zu der üblichen Berichterstattung, die man in den Medien verfolgt. Wenn Bilder von Gebäuden an die Öffentlichkeit gelangen, fallen immer wieder modern ausgestattete und fast westlich geprägte Wolkenkratzer auf, die es auch in den internationalen Metropolen Europas und der USA zu sehen gibt.

Bemerkenswert ist, dass Architektur in Nordkorea viel Geld kosten darf. Für Architekten ist das Land so etwas wie ein Paradies, denn die Planungshoheit ist zentral geregelt und es besteht ein gewisser Hang zur Monumentalität für den gesamten öffentlichen Raum. Jede Planung muss somit zentral freigegeben werden, wodurch die Architekten an sehr strenge Vorgaben gebunden sind. Diese zu beachten, ist ihr vornehmliches Ziel, um bei den strengen lokalen Behörden nicht in Ungnade zu fallen.

Inside North Korea: FO (PHOTO) - Partnerlink

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Die Bauarchitektur ist einerseits von einem Hang zum Sozialismus geprägt, andererseits trifft diese Moderne auf die überlieferte Tradition Koreas. Deutlich wird das zum Beispiel am Palast der Wissenschaft und Technik, der sich in der Hauptstadt Pjöngjang befindet. Im Innenhof steht das Modell einer riesigen Rakete, sie ist so etwas wie das Sinnbild für die moderne wissenschaftliche Forschung des Landes. Das größte Fußballstadion der Welt befindet sich ebenfalls in Nordkorea. Mit einer Kapazität für 150.000 Menschen lässt es die großen Stadien Europas hinter sich. Auch das Ryogyong-Hotel ist ein Beispiel für die beeindruckende Architektur Nordkoreas. Es fasst 105 Stockwerke und misst 330 Meter und ist damit ein imposantes Beispiel für die Außenarchitektur und das Können der lokalen Architekten.

Im Vergleich dazu wirkt die Innenarchitektur von öffentlichen Gebäuden auffallend elegant und luxuriös. Schwere Ledermöbel in dunklen Farben vermitteln einen gediegenen Eindruck, so dass sich der Besucher sofort wohlfühlen könnte. Bemerkenswert ist die schlichte Dekoration, die in nahezu jedem Objekt aus einem riesigen Bild des Gründers des Landes und des ehemaligen Führers besteht. Auch das Bild Kim Jong-uns ist überall zu sehen und ziert die öffentlichen Einrichtungen als einziges Schmuckstück in überlebensgroßem Format.

Moderner Wohnraum ist ebenso sachlich wie funktional ausgestattet. Doppelt verglaste Fenster und Thermostate erinnern ein einen vergleichbaren Standard in der westlichen Welt. Ganz anders dagegen präsentiert sich die Architektur auf dem Land. Wohnhäuser werden in gerade Reihen angeordnet, sie erinnern ein wenig an die Plattenbauweise früherer Jahrzehnte aus dem osteuropäischen Raum. Diese Objekte sind äußerst schlicht und nahezu ärmlich eingerichtet und stehen damit in einem kaum vergleichbaren Kontrast zu den modernen Wohnblöcken in den großen Städten.

Aus einem besonderen Blickwinkel zeigt Oliver Wainwright dieses außergewöhnliche Land. Insbesondere die Candy Shop Farben werden in seinem Buch Inside North Korea thematisiert. Pjöngjang als Fantasielandschaft die Hello Kitty nicht besser hätte gestalten können. Pastellfarbene Töne die sogar nicht zur weltpolitischen Situation passen wollen. Ein Versuch ein sozialistisches Märchenland zu gestalten, der angesichts der autoritären Herrschaft geradezu grotesk wirkt.